Ratgeber Zahnfleisch und Gesundheit
Parodontitis und Herz: was über den Zusammenhang mit dem Herzinfarkt bekannt ist
Parodontitis und Herz hängen statistisch zusammen: Menschen mit Parodontitis haben in Studien häufiger Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Herzinfarkte. Dass die Entzündung im Mund diese Erkrankungen auslöst, ist aber nicht bewiesen.
Hier lesen Sie, was dazu belegt ist und was Menschen mit einer Herzerkrankung beim Zahnarzt beachten sollten.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Zusammenhang ist gut belegt: Menschen mit Parodontitis haben häufiger Herz-Kreislauf-Erkrankungen, auch wenn man Rauchen und Diabetes berücksichtigt.
- Ob die Parodontitis die Herzerkrankung auslöst, ist offen.
- Eine Behandlung senkt Entzündungswerte im Blut. Dass sie vor einem Herzinfarkt schützt, ist nicht belegt.
- Nennen Sie als Herzpatientin oder Herzpatient vor jeder Zahnbehandlung Ihre Medikamente. Blutverdünner setzen Sie nie selbst ab.

Was Parodontitis ist
Wie aus einer Gingivitis eine Parodontitis wird
Am Anfang steht meist eine Zahnfleischentzündung, die Gingivitis. Auslöser sind bakterielle Beläge am Zahnfleischrand. Eine Gingivitis kann wieder abheilen. Bleibt sie bestehen, kann sie auf den ganzen Zahnhalteapparat übergreifen: Das ist die Parodontitis. Es bilden sich Zahnfleischtaschen, und der Knochen um die Zähne baut sich ab. Von selbst heilt eine Parodontitis nicht. Früherkennung kann verhindern, dass es so weit kommt.
Warum Parodontitis lange unbemerkt bleiben kann
Eine Parodontitis schreitet meist langsam voran, oft über Jahre, und tut lange nicht weh. Beschwerden zeigen sich häufig erst spät. Unser Ratgeber zum Zahnfleisch zeigt, woran Sie eine Zahnfleischentzündung erkennen. Haben Sie akute Schmerzen oder Schwellungen am Zahnfleisch, melden Sie sich bitte gleich.
Wie Parodontitis und Herz zusammenhängen können
Die Forschung diskutiert drei Wege. Diese Wege erklären, warum ein Zusammenhang möglich ist. Einen Beweis liefern sie nicht.
Bakterien gelangen aus der Zahnfleischtasche ins Blut
Bakterien aus entzündetem Zahnfleisch können in die Blutbahn gelangen. Das geschieht im Alltag, etwa beim Kauen oder Zähneputzen. Bei einer Parodontitis kommt es öfter vor und hält länger an. In Gefässablagerungen fanden Forschende Spuren von Mundbakterien.
Die Entzündung wirkt im ganzen Körper
Eine Parodontitis ist eine chronische Entzündung. Im Blut erhöht sie Entzündungswerte, zum Beispiel das C-reaktive Protein (CRP). Vermutlich belastet sie so auch die Innenwand der Blutgefässe. Auf diesem Weg könnte eine Zahnfleischentzündung das Herz-Kreislauf-System beeinflussen.
Rauchen, Diabetes und Alter als gemeinsame Risikofaktoren
Parodontitis und Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben gemeinsame Risikofaktoren. Dazu gehören Rauchen, Diabetes und ein höheres Alter. Ein Teil des Zusammenhangs geht vermutlich auf diese Faktoren zurück.
Was Studien zum Zusammenhang mit dem Herzinfarkt zeigen
Beim Zusammenhang zwischen Parodontitis und Herzinfarkt trennen die Fachgesellschaften klar zwischen Beobachtung und Beweis.
Was als gut belegt gilt
Beobachtungsstudien finden bei Menschen mit Parodontitis häufiger eine koronare Herzkrankheit und Herzinfarkte. Das gilt unabhängig von Rauchen und Diabetes. So sahen es 2020 die Europäische Föderation für Parodontologie (EFP) und die World Heart Federation. Die American Heart Association bestätigte das Ende 2025 in einer neuen Stellungnahme. Darin beschreibt sie den Zusammenhang auch für Schlaganfall, Vorhofflimmern und Herzschwäche. In der schwedischen Studie PAROKRANK von 2016 hatten 43 Prozent der Menschen nach einem ersten Herzinfarkt eine Parodontitis. In der Vergleichsgruppe waren es 33 Prozent.
Was bisher nicht bewiesen ist
Nicht bewiesen ist, dass die Parodontitis Herzinfarkte verursacht. Ebenso wenig ist belegt, dass eine Behandlung sie verhindert. Ein Cochrane-Review von 2022 fand dazu nur zwei Studien mit hohem Verzerrungsrisiko und kam zu keinem Schluss. Belegt ist eine engere Aussage: Nach einer Behandlung sinken Entzündungswerte wie das CRP, zumindest für einige Zeit. Kurze Studien zeigen danach auch eine bessere Funktion der Gefässinnenwand.
Warum ein Zusammenhang noch keine Ursache ist
Zwei Krankheiten können gemeinsam auftreten, ohne dass die eine die andere auslöst. Das Rauchen etwa fördert beide. Klarheit bringen erst grosse Studien, in denen eine Gruppe behandelt wird und eine andere nicht. Solche Studien fehlen bisher.
Warum Mundgesundheit und Allgemeingesundheit zusammengehören
Mundgesundheit und Allgemeingesundheit lassen sich nicht sauber trennen. Besonders gut untersucht ist das beim Diabetes.
Parodontitis und Diabetes beeinflussen sich gegenseitig
Der Zusammenhang wirkt hier in beide Richtungen. Diabetes begünstigt eine Parodontitis. Umgekehrt haben Menschen mit Diabetes und Parodontitis in Studien einen höheren Langzeitzucker (HbA1c). Nach einer Parodontitis-Behandlung sinkt dieser Wert in den ersten Monaten leicht. So steht es im Konsensbericht der EFP und der Internationalen Diabetes-Föderation von 2018.
In unserer Klinik schaut die Longevity-Medizin bei Dr. Arno König über den Mund hinaus. Das Ziel ist, degenerative Erkrankungen zu erkennen, bevor Symptome auftreten.
Was Menschen mit einer Herzerkrankung beim Zahnarzt beachten sollten
Die folgenden Hinweise gelten allgemein und ersetzen kein ärztliches Gespräch.
Blutverdünner nicht selbst absetzen
Setzen Sie Blutverdünner vor einer Zahnbehandlung nie selbst ab. Ohne sie steigt das Risiko für ein Blutgerinnsel. Bei Eingriffen mit geringem Blutungsrisiko ist meist keine Pause nötig. Braucht es doch eine, legt sie die verordnende Ärztin oder der verordnende Arzt fest. Nennen Sie uns vor jeder Behandlung alle Medikamente, die Sie einnehmen.
Künstliche Herzklappe und Endokarditis-Prophylaxe
Eine Endokarditis ist eine Entzündung der Herzinnenhaut, oft an den Herzklappen. Ein besonders hohes Risiko dafür haben Menschen mit einer künstlichen Herzklappe, nach einer früheren Endokarditis und mit bestimmten angeborenen Herzfehlern. Nach den Schweizer Empfehlungen von 2021 nimmt nur diese Gruppe vor gewissen Zahnbehandlungen und vor der Dentalhygiene ein Antibiotikum. Den Endokarditis-Ausweis dazu füllt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt aus. Bringen Sie ihn zu jedem Termin mit.
Hausärztin und Kardiologe über die Parodontitis informieren
Der Konsensbericht von EFP und World Heart Federation empfiehlt, dass sich Ärzte und Zahnärzte absprechen. Erzählen Sie deshalb Ihrer Hausärztin oder Ihrem Kardiologen von einer Parodontitis. Sagen Sie umgekehrt auch uns, wenn Sie herzkrank sind.
Bei Verdacht auf Herzinfarkt sofort 144 wählen
Starker Druck oder brennende Schmerzen in der Brust können auf einen Herzinfarkt hinweisen. Das gilt vor allem, wenn sie länger als 15 Minuten dauern. Bei Frauen, Älteren und Menschen mit Diabetes sind die Zeichen manchmal andere. Dazu gehören Atemnot, Übelkeit und Druck in Rücken oder Bauch. Rufen Sie dann sofort den Sanitätsnotruf 144 an und bleiben Sie am Telefon.
Was wir bei entzündetem Zahnfleisch anbieten
Welche Behandlung Sie brauchen, klären wir bei der Untersuchung. Drei Angebote stehen dabei im Vordergrund.
- Kontrolle: Zahnfleischerkrankungen fallen bei der Untersuchung früh auf, oft bevor sie schmerzen. Mehr zur Früherkennung bei der zahnärztlichen Kontrolle.
- Dentalhygiene: Ultraschall löst Beläge und Zahnstein auch unter dem Zahnfleischrand. AirFlow entfernt Verfärbungen. Lesen Sie, was bei der Dentalhygiene geschieht und was sie kostet.
- Laser: Nach der Reinigung der Taschen mit Ultraschall tötet der Laser Bakterien ab. Dabei entstehen kaum Blutungen. Mehr dazu, wie der Laser entzündete Zahnfleischtaschen behandelt.
Häufige Fragen zu Parodontitis und Herz
Steht Ihre Frage nicht dabei? Rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns eine E-Mail.
+41 44 915 17 77Kann Parodontitis einen Herzinfarkt verursachen?
Das ist nicht bewiesen. Menschen mit Parodontitis erleiden zwar häufiger einen Herzinfarkt, auch unabhängig vom Rauchen. Dass die Entzündung im Mund der Auslöser ist, konnten Studien bisher nicht zeigen.
Senkt eine Parodontitis-Behandlung das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen?
Dafür gibt es keinen verlässlichen Beleg. Belegt ist nur, dass Entzündungswerte im Blut nach der Behandlung eine Zeit lang sinken. Für Zähne und Zahnfleisch ist die Behandlung ohnehin sinnvoll.
Können Bakterien aus dem Zahnfleisch ins Herz gelangen?
Mundbakterien kommen im Alltag immer wieder kurz ins Blut, bei entzündetem Zahnfleisch öfter. An einer vorgeschädigten oder künstlichen Herzklappe setzen sie sich leichter fest. Für Menschen mit hohem Risiko gibt es darum den Endokarditis-Ausweis.
Brauche ich als Herzpatientin oder Herzpatient vor der Zahnbehandlung ein Antibiotikum?
Nur wenn Sie zur Hochrisikogruppe gehören, etwa mit einer künstlichen Herzklappe oder nach einer Endokarditis. Ihr Endokarditis-Ausweis nennt dann das Antibiotikum für bestimmte Behandlungen. Allen anderen empfehlen die Schweizer Fachgesellschaften kein Antibiotikum vor der Zahnbehandlung.
Muss ich Blutverdünner vor einer Zahnbehandlung absetzen?
Nicht auf eigene Faust. Bei vielen Eingriffen mit geringem Blutungsrisiko nehmen Sie die Medikamente wie gewohnt weiter. Ob eine Pause nötig ist, entscheidet, wer sie verordnet hat.
Bezahlt die Grundversicherung die Parodontitis-Behandlung, wenn ich herzkrank bin?
In der Regel nicht, denn die Parodontitis Erwachsener fehlt als solche auf der Liste der Verordnung KLV. Eine Ausnahme gilt, wenn die Zahnbehandlung für eine ärztliche Behandlung nötig ist, etwa bei Herzklappenersatz oder Endokarditis (KLV Artikel 19). Fragen Sie vorher Ihre Krankenkasse. Wir rechnen transparent nach dem Tarif Dentotar ab, mit unserem Taxpunktwert von 1.13 Franken.
Sollte meine Hausärztin oder mein Kardiologe von der Parodontitis wissen?
Ja. Der Konsensbericht von 2020 empfiehlt, dass Ärztinnen und Ärzte Menschen mit einer Herzerkrankung nach einer Parodontitis fragen. So lassen sich Medikamente und zahnärztliche Eingriffe besser aufeinander abstimmen.
Ihr Zahnfleisch untersuchen lassen
Bei der Kontrolle in der Zahnklinik Küsnacht sehen wir, ob Ihr Zahnfleisch entzündet ist. Sind Sie herzkrank, bringen Sie Ihre Medikamentenliste und einen allfälligen Endokarditis-Ausweis mit.
Quellen und Stand dieses Artikels
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder zahnärztliche Untersuchung. Er stützt sich auf die folgenden Quellen, Stand September 2026.
- Konsensbericht Parodontitis und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, EFP und World Heart Federation, 2020
- Scientific Statement zu Parodontitis und Arteriosklerose, American Heart Association, 2025 (ersetzt die Fassung von 2012)
- PAROKRANK-Studie zum ersten Herzinfarkt, Circulation, 2016
- Review zur Parodontitis-Behandlung bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Cochrane, 2022
- Konsensbericht Parodontitis und Diabetes, EFP und Internationale Diabetes-Föderation, 2018
- Empfehlungen zur Endokarditis-Prophylaxe, Schweizer Fachgesellschaften, 2021
- Endokarditis und Verhalten im Notfall, Schweizerische Herzstiftung
- Gingivitis und Parodontitis, Schweizerische Zahnärzte-Gesellschaft SSO
- Krankenpflege-Leistungsverordnung KLV, Artikel 17 bis 19
Passend dazu
- Zahnfleischbluten: Ursachen und Warnsignale
Woran Sie entzündetes Zahnfleisch erkennen.
- Kontrolle und Vorsorge für Zähne und Zahnfleisch
Was wir bei der Kontrolle untersuchen.
- Dentalhygiene gegen Beläge unter dem Zahnfleisch
Ultraschall, AirFlow und die Kosten.
Termin in Küsnacht anfragen
Fragen Sie einen Termin über das Formular an oder rufen Sie uns an.
